Die 007-Reihe ist Teil von Amazons Milliarden-Deal mit MGM

„James Bond“: Ein neuer Boss für 007

23.07.2021 um 17:09 Uhr

Für 8,5 Milliarden Dollar will Amazon MGM kaufen – das Filmstudio hinter der 007-Reihe. Kommt jetzt das Bond-Universum?

Ein Artikel von TV DIGITAL Reporter Michael Tokarski

James Bond und seine Vorgesetzten – das war immer eine komplizierte Beziehung. Mit seinen Eskapaden brachte der eigenwillige Spion schon des Öfteren Chef M (und Chefin M) zur Verzweiflung. Jetzt aber bekommt es Agent 007 wohl mit einer ganz anderen Art von mächtigem Boss zu tun: Amazon.

Für sagenhafte 8,45 Milliarden Dollar will Amazon das renommierte Filmstudio MGM kaufen. Stimmt die US-Handelskommission zu, sichert sich der Streaminganbieter so die Rechte u.a. an 4000 Filmen, darunter Klassiker wie „Rocky“, „Die glorreichen Sieben“, „Das Schweigen der Lämmer“ – und eben der James-Bond-Filmreihe. Aber Amazon-CEO Jeff Bezos verspricht sich von dem Megadeal nicht allein Archivware. Dafür wäre der Kauf zu kostspielig. Zum Vergleich: Disney zahlte für Lucasfilm („Star Wars“, „Indiana Jones“) 2012 „nur“ vier Milliarden Dollar.

„Die Logik hinter dieser Akquisition ist sehr einfach“, sagte Bezos über den MGM-Deal bei der Amazon-Aktionärsversammlung. „MGM verfügt über einen gewaltigen Katalog von beliebten Film - marken. Mit den talentierten Leuten bei MGM und Amazon Studios können wir diese Marken neu erfinden und ins 21. Jahrhundert führen.“

Ein 007-Spin-off war schon 2003 geplant

Heißt im Klartext: Geplant sind jede Menge Reboots, Spin-offs und Serienableger zu alten MGM-Filmen. Aber auch zu den Bond-Filmen? Da wird die Lage komplizierter. Produziert werden sie seit jeher von der Firma EON. Das britische Familienunternehmen genießt außergewöhnlich viel Macht. Die beiden Chefs Barbara Broccoli (Tochter des Firmengründers Albert) und ihr Halbbruder Michael G. Wilson sehen sich als Gralshüter der Filmfigur James Bond. Sie bestimmen Drehbücher, Besetzung, Marketing.

In den vergangenen Monaten schlugen sie mehrere lukrative Angebote von Streamingdiensten wie Netflix aus. Diese wollten den nächsten, bereits abgedrehten Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ einkaufen. EON aber beharrte statt - dessen auf einem Kinostart, der nun am 30. September stattfinden soll. Die klare Botschaft: James Bond bleibt etwas Besonders. Fakt ist jedoch auch: Durch den teuren Amazon-Deal würde es für EON noch schwerer, sich heutigen Gesetzen des Marktes zu widersetzen.

Unter den Top Five der erfolgreichsten Filmreihen ist nur Bond bislang ohne Spin-off. (Quelle: THE-NUMBERS.COM):

  1. Marvel Cinematic Universe - Einspielergebnis weltweit: 22,6 Mrd. Dollar
  2. Star Wars - Einspielergebnis weltweit: 10,3 Mrd. Dollar
  3. Wizarding World (“Harry Potter”) - Einspielergebnis weltweit: 9,2 Mrd. Dollar
  4. Spider-Man-Universum - Einspielergebnis weltweit: 7,2 Mrd. Dollar
  5.  James Bond - Einspielergebnis weltweit: 7,1 Mrd. Dollar

„James Bond“ ist die einzige Reihe mit stets derselben Hauptfigur. Die Wizarding-World („Harry Potter“) wurde um „Phantastische Tierwesen“ erweitert, im Spider-]Man-Universum bekommt auch der Gegenspieler Venom eigene Filme. Und bei Marvel und „Star Wars“ sind Spin-offs bzw. Prequels schon lange Teil des Konzepts

Dabei hatte auch EON schon mal über eine Art Bond-Universum nachgedacht: Agentin Jinx (Halle Berry) aus „Stirb an einem anderen Tag“ sollte 2003 einen eigenen Film bekommen. Das geplante Projekt wurde schließlich aber doch abgesagt.

Nun zirkulieren neue Ideen für Spin-offs: Eine Prequel-Serie über Chefin M als junge Spionin? Oder ein eigener Film für die US-Agentin Paloma (Ana de Armas) aus „Keine Zeit zu sterben“ – mit einem Cameo von Daniel Craig?

So könnte der Einzelgänger Bond auf seine alten Tage doch noch zu einem echten Teamplayer werden – und zum Traum für seinen Arbeitgeber.